Zuerst einmal herzliche Glückwünsche an Martin Kaymer, der als erster Deutscher die BMW International Open in München Eichenried gewinnen konnte. Er hatte bereits kurz zuvor bei der 108. US Open gezeigt, dass er bei den ganz Großen mitspielen kann. Hatten Sie die US Open im Fernsehen verfolgt? Die Endrunde und das darauffolgende Stechen boten einige der spannendsten Momente im Golfsport überhaupt!
Tiger Woods, sozusagen direkt aus der Reha-Abteilung eines Krankenhauses kommend, humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht über den Platz und ließ mit seiner Beharrlichkeit und einer faszinierenden
Golf-Magie
die gesamte Weltklasse hinter sich. Jahrhundert-Golfer Woods hat schon manche exorbitante Vorstellung abgeliefert, aber wie er dieses Turnier spielte - Unglaublich!
Kommentator Carlo Knauss meinte, Woods hätte Schläge gespielt, die man eigentlich gar nicht spielen kann, weil es die gar nicht gibt.
Für uns Amateure ist aber ein anderer Spieler besonders wichtig:
Rocco Mediate. Der 45-jährige Tour-Veteran, 158. der Weltrangliste, musste sich zur US Open qualifizieren.
Obwohl seine Drives 40 Yards kürzer sind als die von Woods, konnte er trotzdem tagelang auf dem gleichen Level wie Tiger spielen.
Das gelang ihm, weil er sein eigenes Spiel spielte. Er vertraute seinem Schwung und machte die Schläge, die er beherrschte.
So traf er genauso viele Grüns wie Tiger und machte ebenso viele Putts. Wir Handicap-Golfer können davon sehr viel lernen.
Sie kennen das: Bei einem Matchplay müssen Sie gegen einen sehr guten Spieler antreten, der einen wirklich langen Ball schlägt.
Automatisch beginnen Sie, schneller zu schwingen, um mitzuhalten. Oder Sie versuchen sich an Schlägen, die Sie nicht beherrschen, anstatt in Ihr eigenes Spiel zu vertrauen.
Golf ist ein Rasenschachspiel! Wenn Sie im richtigen Moment die richtigen Züge machen, können Sie auch gegen Tiger bestehen.
Rocco hat auf sein eigenes Spiel vertraut und erst nach einem Stechen über 18 Loch konnte Woods auf dem 19. Grün
einen Birdieputt
versenken, der ihm den Sieg sicherte.
Rocco hat "verloren", aber er hat Golfgeschichte geschrieben. Und - er hat uns Amateuren gezeigt, dass unser Schlüssel zum Erfolg im Vertrauen zum eigenen Spiel liegt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch viele spannende Matches.
Ihr
Eugen Pletsch |